1998 - Dreigroschenoper



Plakat - Zum Stück - Über den Autor


Zuerst scheint es wohl für eine Schultheatergruppe etwas vermessen, sich an "Die Dreigroschenoper" heran zu wagen. Sowohl die Berühmtheit wie auch die oben angesprochenen komplexen theoretischen Zusammenhänge des Stückes können jugendliche Laiendarsteller leicht überfordern. Aber unser Ausgangspunkt war zunächst banaler.
Nach den eingangs erwähnten beiden früheren Stücken wollten wir weder ein todernstes noch ein total lustiges Stück spielen. Dazu kam irgendwann einmal der Vorschlag, etwas mit Liedern aufzuführen. Drittens wollten die Schauspieler ein bekannteres Stück spielen. "Die Dreigroschenoper" stand sozusagen schon im Raum.
Nach erstem Lesen war der Entschluss einhellig gefasst. Genügend Rollen waren vorhanden oder konnten geschaffen werden; der Text sollte unseren Bedürfnissen angepasst werden (Stichwort: Verfremdungseffekte). Und da beginnt nun die eigentliche Arbeit für eine Schülertheatergruppe. Wie lässt sich das Stück für unsere Situation anpassen und verändern?
Als erstes musste die Figurenkonstellation geklärt werden. Dabei ergab sich folgendes Problem: Wie lässt sich Authentizität für Schüler erreichen, wenn sie Huren und Räuber spielen sollen? So musste die Spielsituation grundsätzlich verändert werden. Aus Mackie Messer wurde ein Rockstar. Die Konsequenzen waren damit klar. Aus den Huren und Räubern wurden Groupies, die Band konnte ihre eigenen Lieder mit ein bringen. Natürlich konnte und sollte nicht alles verändert werden. Aber einige Szenen mussten neu geschrieben werden. Das Stück bekam so deutlich einen Stempel durch unsere Schüler aufgedrückt - auch hinsichtlich der Aussage.
Im Wesentlichen wurden drei Szenen neu gedeutet: die Hochzeitsfeier als eine "lokal"politische Betrachtung unserer Jugendkultur, das Hurenhaus in Turnbridge als jugendliche Talkshow mit Bravotexten und Mackies Abschied als Kummerkasten für enttäuschte Fans. Dass Jugendliche durchaus selbstkritisch ihre eigene "Kultur" parodieren können, aber andererseits auch indirekt die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse als Ursache für eine gewisse Perspektivlosigkeit anprangern, soll die Verbindung von alten Texten der "Dreigroschenoper" und Neuentwürfen von Szenen verdeutlichen.
Sicher ein hoher Anspruch, der vor dem Hintergrund des laufenden Schulbetriebs (Unterricht und Schulaufgaben!) hoffentlich einer wohlwollenden Beurteilung unseres Publikums unterliegt. Ich denke jedenfalls, dass wir mit unserer Arbeit Brecht ein wenig näher gekommen sind und dass auch im Sinne des Schultheaters das erzieherische und das authentische Element nicht zu kurz gekommen sind. Dies lässt sich auch mit Brecht umschreiben: "Die Kunst sollte ein Mittel der Erziehung sein, aber ihr Zweck ist das Vergnügen."


Darsteller:
Mackie Messer, Popstar Christoph Mang
Jonathan J. Peachum, Besitzer einer "Bettlerfirma" Simon Reichgruber
Celia Peachum, seine Frau Anja Heckle
Polly Peachum, ihre Tochter Julia Zeindl
Tiger Brown, oberster Polizeichef Janus Vollmer
Lucy, seine Tochter und Talkmasterin Melanie Sommer
Jenny, Geliebte Mackies Lia Geist
Groupies Tanja Piechula,
Julia Krug,
Vanessa Mares,
Sonja Huber,
Ann-Cathrin Hechler,
Marlene Seibl,
Sarah Schön,
Anna Fedke
Callgirl Tanja Piechula
Filch, ein Bettler Marlene Seibl
Smith Tanja Piechula
Konstabler Marlene Seibl


Bühne und Beleuchtung: Vanessa Mares, Anja Heckle, Julia Zeindl, Simon Reichgruber
Plakat: Steffi Struzyna
Musik: Simon Kubbies (kb), Sebastian Adolf (g), Jan Bergmann (b), Andreas Fügener (dr)
Spielleitung, Programmheft und Plakat: Rupprecht Losert
Aufführungen am 16./19./21./23. Juni 1998 im Gymnasium Penzberg


zurück